Tag 28 (18.06.2016): Trondheim – hat die Haare schön!

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Nach unserer quer auf dem Parkplatz verbrachten Nacht stehen wir – für unsere Verhältnisse – mitten in der „Nacht“ auf: ab 08:00 Uhr wird der PKW-Bereich des Areals gebührenpflichtig und so spekulieren wir darauf, dass der gemeine frühaufstehende Rentner-Camper vielleicht (s)einen Stellplatz für Oscar freimacht.

Das Wetter entspricht dem des gestrigen Tages: grau. Oben, unten, überall grau – egal, denn nichts anderes hatten wir erwartet. Allerdings sind 9°C und kalter Wind der Multiplikator der Ungemütlichkeit.
Und so geschieht es tatsächlich und um viertel vor 8:00 Uhr bricht ein Wohnmobil in der letzten Reihe auf und macht uns Platz. Kurze Zeit später sieht es dort aus, als hätten wir die Nacht genau an dieser Stelle verbracht. Dem morgendlichen Elan widersprechen allerdings zwei glupschende Babyaugen und zwei verpennte Kinderaugen und so wird noch eine Stunde gekuschelt, Büchlein gelesen und gedöst.
Eine Charge allmorgendliche Aufbackbrötchen später brechen wir zur Stadterkundung auf.

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Über eine Holzbrücke landet man vom Wohnmobilparkplatz direkt auf dem Campus der NTNU („Norges teknisk-naturvitenskapelige Universitet“) und von dort aus sind es nur noch wenige Blöcke bis zum Zentrum. Unser Weg führt durch einen schizophrenen Mix aus geschichtsträchtigen oder im alten Stil neu erbauten Holzhäusern und betonierten Zweckbauten. Unabhängig ob geschichtsträchtig oder Waschbeton-Schachtel reihen sich Leerstand und/oder Sanierungsbedarf aneinander. Was bewirtschaftet wird ist entweder Bar / Restaurant / Café, Modegeschäft oder Frisør-Laden. Und gefühlt ist jedes zweite Ladenlokal eine Frisierstube – egal wo. Entweder gibt es zu viele, die norwegische Friseur-Innung hat ihre Hochburg hier oder der gemeine Trondheimer legt großen Wert auf die regelmäßige Bekümmerung seiner Haarpracht – sei es drum…
Unsere heimliche Freude, es vielleicht doch einmal geschafft zu haben, eine Stadt anzutreffen, die nicht bereits von Kreuzfahrt-Touristen vereinnahmt wurde, wird leider erneut getrübt, denn am Horizont blitzt ein Kussmund auf weißem Stahlblech aus dem Hafenbecken. Aber zum Glück ist die Stadt so groß, dass die Passagiere der Aida nicht auffallen. Aber andererseits sind wir auch nur in der Stadt unterwegs und sammeln Impressionen anstatt Fotos von kulturellen Hotspots.

Gegen 16:00 Uhr entscheiden wir uns in Anbetracht von Unlust und Wetterlage für den Rückweg zu Oscar. Die sich während unserer Abwesenheit entwickelte wüste Parksituation auf dem Wohnmobilstellplatz komplettiert das Bild und wir entscheiden uns, doch nach einem Kaffee direkt die Stadt zu verlassen – es scheint, als seien zwischenzeitlich alle durchgedreht und die Wohnmobil-Zombies haben auch alle Sperrflächen erobert – ein Wunder, dass wir noch unsere Türen geöffnet bekommen.
Wir verlassen Trondheim mit gemischten Gefühlen in Richtung Norden und der E6. Ein Versuch, eine Ver- und Entsorgungsstation anzufahren schlägt fehl und so tuckern wir fernab der E6 durch die Siedlungen zwischen Trondheim und dessen Flughafens. Einen Einkauf, einen Klostopp und einen weiteren fingierten Einkauf später (Wifi schnorren, da sich unsere holländische Stellplatz-App überlegt hat, einmal jeglichen heruntergeladenen Kartenmaterials zu entledigen), ist es so spät, dass wir doch nicht mehr bis nach Mo I Rana fahren wollen. Wir werden die Nacht auf einem Rastplatz nördlich des Trondheimer Flughafen verbringen.
Morgen beginnt dann also die Marathon-Etappe durch die Einöde. Irgendwie freue ich mich auf verträumtes Geradeausfahren, Annika hat Zweifel wie die Kinder das wegstecken werden. Wir werden sehen…

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