Tag 26 (16.06.2016): Der Atlanterhavsveien

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Wir brechen auf in Richtung Trondheim. Hinter uns bleibt Ålesund zurück und wir erhaschen einen letzten Blick auf das Werk der Wahnsinnigen und den damit verbundenen Vorbereitungen auf das größte Lagerfeuer der Welt, welches zu Sankthans angezündet wird. Während nur die Schweden und Ikea Mittsommar am 21.06. feiern, lassen es die Dänen zu Sankthans am 23.06. krachen. Die Norweger machen für üblich entweder nichts oder feiern im kleineren Stil wie die Dänen. Die Verrückten (12- bis 23-Jährige) in Ålesund hingegen stapeln zigtausend Paletten zu einem über 47m hohen Turm auf und brechen damit vermutlich in diesem Jahr erneut ihren eigenen Weltrekord.

https://www.youtube.com/results?search_query=slinningsb%C3%A5let+2016

Wir würden uns das Schauspiel zwar gerne ansehen, aber leider würde dies zu viel Zeit kosten und so müssen wir uns mit einem kurzen Blick auf das noch unfertige Palettenmonster begnügen.
Der Weg nach Trondheim bietet die Möglichkeit für einen netten kleinen Umweg: den hochgelobten „Atlanterhavsveien“ (die „Atlantikstraße“). Der mittels acht (mehr oder weniger) spektakulären Brücken über eine Reihe von Inseln und Felshaufen geführte Streckenabschnitt wurde vor wenigen Jahren zu „Norwegens Bauwerk des Jahrhunderts“ gekürt und gehört mit zu Europas schönsten Straßen.
„Nahezu jeder Automobilhersteller hat bereits einmal einen Werbespot auf der Atlantikstraße gedreht“ findet man sinngemäß als Beschreibung für das monumentale Konstrukt im Internet.

Aber ich kann meine Enttäuschung nicht leugnen, denn wenn man ehrlich ist, ist die Straße unglaublich langweilig, solange das Befahren nicht bei Sturm und rauher See erfolgt und der Wind nicht kurz davor ist, das eigene Fahrzeug in den Atlantik zu pusten.
Die acht Brücken summieren sich tatsächlich aus allem zusammen, was man auch nur ansatzweise als Brücke bezeichnen kann, wobei man mindestens drei Brücken nur von einem Damm unterscheiden kann, da rechts und links keine Steine unter der Leitplanke hervorlugen. Die einzige herausragende Brücke ist allerdings auch ein Witz, sofern man (wie wir) zwei Tage vorher auf der Insel „Runde“ war, deren Brücken nicht nur allesamt um ein Vielfaches größer, höher und länger waren, sondern auch teilweise nur einspurig und mit einer aberwitzigen Ausweichbucht auf dem Scheitelpunkt ausgeführt waren.
In jedem Fall trete ich mit einem Lachanfall auf die Bremse, als mir Annika erzählt, dass wir die letzte Brücke bereits überfahren haben.
Zum Glück liegt nun auch gerade ein nett aussehender kleiner Stellplatz vor unseren Rädern und wir entscheiden uns spontan hier zu bleiben.
Beim abendlichen Spaziergang entlang der Küste und der ersten „Brücke“ bezeichnet meine böse Zunge den Touristenmagnet als „herrlich sinnlose Straße im Nirgendwo, deren Bau nachträglich mit künstlichen Lorbeeren und Auszeichnungen gerechtfertigt werden muss“ – aber das sage ich nur zu Annika… ? Aber nüchtern betrachtet wird mir bestimmt sogar der eine oder andere Norweger Recht geben (oder verzeihen).
Und so genießen wir zumindest den Sonnenuntergang, der eine atemberaubende Komposition aus glutroter, im Atlantik versinkender Sonne und einem von rot über orange, violett nach blau verlaufenden Farbenspiels entlang des Himmels ist – einmalig schön!

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