Tag 19 (09.06.2016) – Der chinesische Wasserfall und das holländische Hochhaus

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Der Tag beginnt mit einem digitalen Defizit und so schaffen wir es gerade so zum letztmöglichen Zeitpunkt den Campingplatz zu verlassen. Da wir aber noch mit einem FTP-Problem unserer Homepage kämpfen, bleiben wir direkt vor dem Campingplatz auf der Straße stehen – gerade ausreichend, dass wir noch Verbindung zum WLAN haben.
Dementsprechend spät(er) kommen wir los. Kurz hinter dem Ortsausgang von Voss tauchen Schleifenquadrat-Schilder auf, die auf einen weiteren „Vossen“ (also Wasserfall) hinweisen.
Der Parkplatz ist offenbar Privatgrund und zugleich die Vorfahrt der in der Mitte des Platzes befindlichen Rezeption mit integriertem Nippesverkauf des angrenzenden Campingplatzes. Die Dichte der Verbotsschilder lässt an deutsche Verhältnisse erinnern, jedoch war mir bisweilen kein Piktogramm für „No Picknicking“ bekannt. Am tatsächlich imposanten Wasserfall reduzieren sich die im akkurat gemähten Parkrasen verteilten vermeintlichen Infotafeln auf das Verbot, Steine und andere Dinge anzufassen oder gar zu versetzen. Der Eigentümer.
Dennoch werfen ungeahnt dessen, deutsche Reisebusse Scharen von Senioren und norwegische Reisebusse, Scharen von Chinesen am Wasserfall ab um 800 Fotos mit dem am Sefie-Stick festgetüddelten Riesen-Smartphone oder der Profi-Fotoausrüstung im Automatikmodus zu knipsen, um mit einem Eis und einer Wikinger-Bommelmütze später, wieder zu verschwinden.
Dennoch versuche ich, mit Lani ein Foto vor dem Wasserfall zu machen, doch sie hat – zum Unverständnis eines chinesischen Pärchens, die vor dem Wasserfall posieren, keine Lust. Dankend lehne ich deren Angebot ab, als sie mit meinem iPhone ein Foto von uns beiden machen wollen. Die kulturellen Differenzen zwischen belanglosen Fotoalben…

Wir fahren weiter in Richtung Flåm: heute die Tunneletappe! Mehrheitlich fahren wir durch die Dunkelheit und man glaubt, die Tunnelfräse habe sich selbstständig gemacht. Hoch, runter, rechts, links und plötzlich kommt man wieder auf Seehöhe aus dem Berg geschossen. Das Vorhandensein von Schiffen und der Blick auf die Höhenangabe des Navi bestätigen: Fjord, nicht See! Vor uns liegt der Sognefjord, doch viel Zeit bleibt nicht, denn schon fährt man in den nächsten Tunnel.
Am anderen Ende trauen wir unseren Augen nicht, denn links von uns liegt ein Hochhaus im Fjord: die MS Koningsdam der Holland-America-Line. Irgendwo hinter dem Schiff muss sich Flåm verstecken – ach, da ist es ja! Das Größenverhältnis Schiff zu Stadt ist absurd, ebenso wie Schiff zu Fjord!

Wir halten auf einem Parkplatz, der direkt an den Hafen angrenzt und schauen dem Schiff beim Ablegen zu – im Rückwärtsgang auf den Fjord hinaus.
Da das Dorf (mehr ist es nicht) samt seiner mehr oder weniger sinnlosen aber touristischen Bahnstrecke den Berg hinauf seine Preispolitik am durchschnittlichen Kreuzfahrer orientiert hat, entschließen wir uns zum Weiterfahren – zunächst zum Aussichtspunkt „Stegastein“, denn soeben beginnt der Himmel aufzuklaren…
Wir erhalten unfreiwillig den Ausgleich zur Untergrundfahrerei des restlichen Tages und fahren mal wieder eine „sekundäre Nebenstraße“, die zum Glück um 21:30 nur noch wenige fahren. Gegen 22:00 kommen wir an dem bekannten Holzsteg, der in den Abgrund zu führen scheint an und werden mit einem Sonnenuntergang zwischen den Felswänden des Sognefjord belohnt.

Da am Parkplatz kein Schild steht, dass Campieren ausdrücklich verbietet und da es uns bereits ein belgischer VW-Bus und ein holländisches Wohnmobil vormachen, bleiben wir auch einfach stehen. Schlafzimmer mit Panoramablick!

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2 Antworten

  1. Andre
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    Ich lese eurer Tagebuch mit Begeisterung, aber ihr habt in Flam die falsche Entscheidung getroffen. Die Bahnfahrt ist echt eine Traumstrecke, und nein ich bin kein Eisenbahn Fan.

    • Annika
      | Antworten

      Hallo Andre,

      das freut uns, dass wir Dich unterhalten!

      Wir hatten die Fahrt mit der Flåmsbana auch eigentlich auf unserer Liste stehen, aber zugegebenermaßen auch nur solange, bis wir die Preise für die Tickets erfahren haben, die nahezu eindeutig auf das Klientel und Portemonnaie der Kreuzfahrer zugeschnitten sind.

      Bestimmt ist die Fahrt ein absolutes Highlight, jedoch sind die Kosten von 1.000 NOK (also knapp 110 €) für uns alle und eine 20 km lange, zu fast einem Drittel durch Tunnel geführte Bahnstrecke doch immens, weshalb wir uns dagegen entschieden haben.

      Dafür haben wir eine „Mini-Kreuzfahrt“ durch den Geirangerfjord gemacht, der Artikel geht vermutlich morgen online.

      Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß mit uns,

      Martin

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