Tag 18 (08.06.2016) -Die „Sekundäre Nebenstraße“

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Wir sind tatsächlich um 10:00 auf dem Weg. Die Sonne scheint wieder, sobald wir den sprichwörtlichen Dunstkreis Bergens verlassen haben.
Wir sollen noch typisch norwegische Güter in die Heimat exportieren und peilen so den auf dem Weg liegenden Fabrikverkauf von „Dale of Norway“ an. Auf dem Weg dorthin weist uns ein freundlicher Wikinger in gelber Warnweste und mit Kelle in der Hand darauf hin, dass die E16 zwischen Dale und Voss aufgrund eines massiven Erdrutsches gesperrt sei.
Wir interviewen die beiden Damen im Strickpulloverladen, ob wir tatsächlich zurück und bis an den Hardangerfjord fahren müssen, oder ob es noch eine andere Straße gäbe. DASS es eine andere Straße gibt, wissen wir bereits, allerdings ist der Strich auf der Karte seeehr dünn – „Sekundäre Nebenstraße“ verrät die Legende.
Die beiden Ladies meinen, dass die Straße zwar grundsätzlich befahrbar sei, raten uns aber ab, sie mit dem Wohnmobil zu fahren und verweisen auf den Umweg.
Auf knapp 100km Umweg habe ich allerdings keine Lust und wir entscheiden uns, die Abkürzung über den Fjell zu nehmen. Bereits nach wenigen Metern auf der Strecke wird klar, dass das zwar machbar ist, aber kein Zuckerschlecken wird: die Strecke ist maximal (!) einspurig. Ein paar wenige Ausweichmöglichkeiten wurden alle paar hundert Meter dort hingezaubert, wo noch eine Schubkarre voll Asphalt beim Straßenbau übrig geblieben ist und fertig ist die Piste!
Als wir bereits nach wenigen Kurven am Zweifeln sind, ob wir nicht doch besser im Rückwärtsgang ins Tal zurückfahren sollten, kommt uns wie der geölte Blitz ein Milchlaster samt Anhänger entgegen gekachelt. Bedeutet wohl aber, dass die Straße zu schaffen ist, wo wir doch bedeutend kleiner als der Muh-Express sind!
Also beschließe ich weiterzufahren, während sich Annika darauf konzentriert, den Türgriff abreißen zu wollen – oder so. ?
Die Rückbank mault und hat Hunger, weshalb wir nach dem ersten Anstieg an einem Gebirgsstausee halten. Eigentlich ganz nett hier. Freiwillig wären wir zwar hier nicht lang gekommen, aber so machen wir das Beste daraus und fahren durch eine von nichts, Seen, Wasserfällen und vereinzelten Ferienhäusern durchzogene Hochebene. Ab und an liegt auch mal ein Schaf auf der Straße und sonnt sich und so fährt man zur Abwechslung nicht nur Slalom um Schlaglöcher.

„Wir haben Ferist und was hast Du?“ könnte die Antwort auf die Frage der Deichkinder sein: übersieht man ein solches mit seiner Rostpatina harmonisch in die Schlaglochlandschaft der Straße eingefügtes Weidegatter, so ist tatsächlich im Auto „Krawall und Remmidemmi“! Überfährt man diese heimtückischen und bei tiefstehender Sonne kaum wahrnehmbaren Stahlrohrroste langsam, so glaubt man lediglich Reifen gegen Ketten getauscht zu haben. Übersieht man allerdings eines (so wie ich) und überfährt es mit ca. 50km/h nahezu ungebremst, glaubt man im Wohnmobil noch Minuten später, das Echo aus dem Küchenschrank zu hören. „Tschuldigung Schatz, ich hab in der Küche ein bisschen Unordnung gemacht…“ grinse ich in Annikas entsetztes Gesicht.
Bis wir endlich in Voss ankommen und das Geheimnis lüften, glaubt Annika immer noch, dass wir einen neuen Milchaufschäumer (Glas!) benötigen. Aber außer, dass es im Schrank leicht chaotisch aussieht, ist nichts passiert.
Wir verbringen die Nacht auf dem lokalen Campingplatz und wollen morgen weiter in Richtung Flåm (gesprochen „Flohm“) fahren.

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